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27

Apr

Inhalt vor Design

Als mir ein Freund heute morgen den Entwurf für das Design eines seiner neuen Projekte gezeigt hat bin ich ein wenig ins Grübrln gekommen. Warum fangen so viele Leute (einschließlich mir selbst) eigentlich immer mit dem Design an und nicht mit dem Inhalt? Bei besagtem Beispiel fehlte es mir an Vorstellungskraft, wie einige Bereiche des Designs jemals mit sinnvollem und vor allem auch interessantem Inhalt gefüllt werden sollen. Eigentlich wäre es doch sinnvoller erst den Inhalt zu gestalten, bevor man diesen mit einem Design optisch aufpeppt, denn der Inhalt ist doch was eine Seite eigentlich ausmacht und auch das hübscheste Design hat ohne einen vernünftigen Inhalt keinen Mehrwert. Ich denke ich werde dies in Zukunft versuchen ein wenig stärker zu berücksichtigen. Zwei wichtige gründe hierfür will ich im folgenden erläutern.

Der erste Grund setzt an dem Punkt an, der auch zur Folge hatte, das Tabellen böse und verrufen sind. Entgegen der weitläufig verbreiteten Meinung, das Tabellen das absolute Gegenteil zu CSS seien, gibt es auch nachvollziehbare Gründe auf Tabellen zu verzichten. Tabellen lassen sich auch mit CSS kombinieren und sind daher nicht wie in manchen Artikeln propagiert, besonders langsam, unübersichtlich oder quelltextaufwändig. Der eigentliche Grund für den Verzicht auf Tabellen ist die Semantik einer Website. Denn neben der Optischen Auswirkungen der HTML-Tags vermitteln diese auch eine Inhaltliche Bedeutung. So besagt das h1-Tag nicht nur, dass etwas größer geschrieben werden soll, sonder auch, dass es sich um einer Überschrift erster Ordnung handelt. So verhält es sich auch bei den anderen Tags, die neben ihrem Aussehen auch eine inhaltliche Bedeutung vermitteln. Von daher ist es im Prinzip falsch Tabellen entgegengesetzt ihrer eigentlichen Bedeutung zum layouten zu missbrauchen. Wobei ich an dieser Stelle anmerken möchte, dass ich das Gefühl habe, dass das div-Tag genau so gerne missbraucht wird. Auch dieses Tag hat irgendwo eine Bedeutung, welche ihm aber in den meisten Fällen eiskalt aberkannt wird. Das div-division-Bereich kennzeichnet wie der Name schon sagt einen Bereich und leere Bereiche so wie sinnlos verschachtelte Bereiche sind in meinen Augen genau so wertlos wie der Einsatz von Tabellen. Daher nehme ich auch lieber gleich eine Tabelle statt aufwändige Div-Konstrukte, wenn sich etwas nicht anders realisieren lässt und ich es trotzdem umsetzen möchte. Wenn ich schon sündige muss ich es mir ja nicht unnötig kompliziert dabei machen. Ich bin aber zuversichtlich, dass durch die neuen Möglichkeiten die immer wieder in CSS eingebaut werden auch die div-Schlacht bald zuende ist und es durch Techniken wie Mehrfachhintergründe bald nur noch die einfachen Tags in ihrem semantischen Kontext geben wird.

Um wieder zum Thema zu kommen: Man braucht Inhalt dem man eine Bedeutung verleihen kann um eine semantisch saubere Seite zu konstruieren. Wenn man also ein Design unabhängig vom Inhalt machen ist die Wahrscheinlichkeit, dass am ende semantischer Murks raus kommt relativ hoch. Konzentriert man sich allerdings von Anfang an auf den Inhalt sollte auch die Semantik sich automatisch anpassen. Wenn man dann ein Layout durch CSS, am besten ohne das Hinzufügen weiterer Tags, hinzufügt, hat man am Ende eine saubere und übersichtliche Seite.

Nun könnte man ja der Meinung sein, dass die Semantik nicht wirklich relevant wäre. Womit wir beim zweiten Punkt angelangt sind. Denn nicht nur die Semantik leidet sondern auch der Inhalt selbst. Wenn man mal kritisch mit sich selbst ist muss man doch zugeneb, dass die meisten Designs hier noch Platz und da noch nen Kasten hatten bei denen man nicht wirklich wusste mit welchem gehaltvollen Inhalt man sie füllen sollte. Aber so Lücken sehen ja auch nicht hübsch aus, daher fängt man also einfach an sich Dinge aus den Fingern zu saugen. Hier noch eine sinnlose Anzeige und da nochmal einfach was wiederholen. Mal ganz ehrlich, das macht die Seite für Besucher jetzt nicht wirklich attraktiver oder interessanter? Im Gegenteil, Besucher fühlen sich mit Informationen überflutet und von ihnen gelangweilt. Das wesentliche in der Seite geht unter, weil man noch Lücken im Design füllen musste. Daher habe ich mir als guten Vorsatz genommen, in Zukunft erst einmal mit dem Inhalt beginnen und das Design erst mal zurück zustellen.

Trotzdem bleibt noch eine Frage offen: was ist eigentlich mit Webapplikationen, die keinen eigentlichen Inhalt haben sondern nur Funktionalitäten bereitstellen? Sie kann man hier mit konventionellen Webseiten sicherlich nicht über einen Kamm scheren, da die Anordnung und das Aussehen der Bedienelemente maßgeblich für die Benutzerfreundlichkeit sind. Hier kommt im Prinzip ein ganz neuer Aspekt des Web Designs zur Geltung. Meiner Meinung nach geht dies sowohl in thematischer Hinsicht als auch in Hinsicht der Komplexität über die allgemeinen "Wie mache ich ein sauberes Design"-Debatten hinaus, weshalb ich diese Problematik vielleicht einmal in einem anderen Eintrag thematisieren möchte.

Lange Rede kurzer Sinn. Ich hoffe ich konnte den ein oder anderen, der die Ausdauer besessen hat diesen Artikel zu lesen, etwas inspirieren. Weiterhin bin ich auch zuversichtlich dann in Zukunft von meinen Erfahrungen mit dieser neuen Vorgehensweise berichten zu können. Hier noch ein paar weiterführende Links zu spannenden Artikeln: